"Man lernt ein Leben lang", das sagt meine Großmutter immer zu mir. Mittlerweile ist sie über 80 Jahre alt, doch diesen Spruch hört man bei jeder Gelegenheit. Was ich als kleiner Bub noch für ein komisches Geplenkel hielt, hat sich über die Jahre immer mehr als richtig und wichtig bewiesen.

Arbeit & Lernen

Als ich damals meine Ausbildung zum Fachinformatiker angefangen habe war ich voller Freude endlich professionell zu lernen was ich schon so lange als Hobby tat.

Am Anfang lernte ich viel über die Basics, immer mehr entwickelte sich die Unwissenheit bei der Programmierung zu einem durchdachten Vorgehen. Mit jeder Lektion, jedem neu erlernten Wissen wurde ich besser. Wissen ist Macht war für mich damals erlebbar als je zu vor. Mit Programmierung und Wissen wie man Dinge realisiert kommt wahre Macht und Verantwortung. Vorher unverstellbare Dinge rückten einem wortwörtlich direkt unter die Finger.

Mir war bereits vorher klar, dass man ohne ein lebenslanges Lernen im Tech-Umfeld, nicht weit kommen wird. Denn hier geht der Fortschritt schnell und stetig voran, was es gerade so interessant macht. Hier nicht Bescheid zu wissen, was es gibt oder möglich ist und wie man es anwendet, ist auf lange Sicht frustierend und letztlich für den Job tödlich.

Doch hier mache ich Tag für Tag die Erfahrung, dass es nicht für jeden zu gelten scheint, vermehrt bei älteren Programmieren scheint sich nach einer Zeit eine gewisse Abstumpfung zu vollziehen. Man könnte sagen der Reiz Neues zu lernen und anzuwenden ist gestorben. Interessanterweise trifft das aber nicht bei jedem zu.

Lernen ist überall

Lernen ist aber nicht nur für den Beruf nötig, sondern gerade für das private Umfeld. Ob es jetzt der neue Saugroboter, die anscheinend komplett unterschiedliche Fernsehfernbedienung oder neue Lebensumstände sind.

Die Herausforderung steckt überall, sie wartet darauf von dir gemeistert zu werden. Rasten heißt rosten, wieder so ein Spruch den ich vor einigen Jahren noch als komplett sinnbefreit abgestempelt habe, der sich aber schon zu oft bewahrheitet hat. Das Schlimmste ist für mich zu rosten, sich aufzugeben und so seine Ziele hinter einer Wand fehlendem Wissens zu verbauen.

Altersgrenze beim Lernen?

An dieser Stelle kann ich diesen Artikel aus der FAZ empfehlen: "Das Hirn ist auch nur ein Muskel". Dieser fokussiert sich sehr stark auf das Erlernen von Sprachen.

Sprachen sind hierbei ein sehr gutes Beispiel für komplexe Dinge, die unser Hirn verarbeiten muss, also auch z. B. Programmiersprachen oder Konzepte. Wir haben also kein Mindesthaltbarkeitsdatum bis wann wir nicht mehr lernen können. Ist es also nur schlichte Faulheit? Passiert mit einigen von uns etwas, das den Willen zu lernen zerstört?

Man kann also lebenslang lernen, wenn man will, natürlich kann nicht jeder gleich schnell oder viel auf einmal lernen. Jedoch sammelt sich im Laufe des Lebens doch einiges an Basiswissen zusammen. Dieses Wissen macht es uns natürlich auch leichter darauf aufsetzen und so schneller Neues zu meistern.  Das zeigt sich besonders beim Erlernen einer neuen Programmiersprache. Bestimmte Grundelemente, Prinzipien und Konzepte bleiben immer gleich.

Persönliche Erfahrungen

Grund für das Schreiben dieses Artikels ist für mich vorallem der tägliche Frust.

Gerade in der IT finde ich aufhören zu lernen ist unverantwortlich, solche Kollegen sind schwer in Projekte mit zu nehmen oder gar einzulernen. Damit bin ich offensichtlich auch nicht alleine. Auf devrant.com,  eine Plattform primär für den Frust von Entwicklern weltweit bestimmt, findet man zahlreiche dieser Geschichten. Es scheint also in gewisserweise ein sehr globales und präsentes Thema zu sein.

Deshalb an der Stelle einen Appel an dich und mich selbst: Hör nicht auf zu lernen, zu versuchen das Beste aus aktuellen Technologien zu ziehen! Wie ich bereits im Artikel How to keep track of everything schrieb, ist es nicht notwendig jedem Hype hinterher zu laufen oder alles Neue sofort nutzen zu wollen. Viel mehr das Interesse zu behalten und immer durstig nach Wissen zu bleiben. Denn Stillstand ist das was nicht nur dich selbst, sondern langfristig eine ganze Community, eine Branche oder dein Unternehmen nach unten zieht.

Disclaimer & Appell zum Abschluss

An der Stelle kann man sich fragen, ob ein 21-jähriger das Recht hat so ein Thema aufzugreifen und sich darüber aufzuregen oder zum denken anuzustoßen. Das ist durchaus berechtigt, ich hab auch lange mit mir gerungen ob ich diesen Post wirklich schreiben und vor allem veröffentlichen will.

Das Thema lebenslanges Lernen ist mir allerdings ein sehr wichtiges Anliegen, ich selbst möchte niemals stehen bleiben. Mittlerweile durfte ich schon öfter mit vielen älteren Kollegen, Freunden und Bekannten über dieses Thema sprechen. Einige von Ihnen haben aufgegeben zu Lernen, sind auf einem Stand stehen geblieben, teilweise sorgte dies für bedauern, von manchen wird das Ganze allerdings komplett ignoriert oder durch Ausreden gerechtfertigt.