Suizid - zu Tode geschwiegen?

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Wieso das ganze?!

Suizid oder auch besser bekannt als Selbstmord. Ein Thema was gerne vermieden wird. Genauso wie Tod an sich. Viele weigern sich, darüber zu sprechen. Manche bezeichnen diese Art zu sterben als dämlich oder unnötig. Ich selbst hatte schon oft Berührungen mit Suizid. Sowohl bei mir selbst oder auch bei Freunden. Deshalb habe ich mich entschlossen heute über das Thema zu sprechen.

DISCLAIMER

Gleich zu Beginn möchte ich jedoch betonen das dies ausschliesslich meine persönliche Meinung ist und keine wissenschaftliche Ansicht oder ein unfehlbares Gesamtbild. Zudem besteht bei mir selbst keine Suizidgefahr. Also an dieser Stelle keine Sorgen :)

Die Sicht der Hinterbliebenen

Viele, oft auch Angehörige stellen sich nach dem Selbstmord eines Bekannten oder Freundes viele Fragen.
Oft zweifelt man an sich selbst, wieso man nicht erkannt hat, dass jemand die Absicht hat, sich das Leben zu nehmen. Nicht jedem Menschen sieht man an, dass er keine Motivation hat weiterzuleben.
Bei manchen ist es nur eine kurze Phase durch Depressionen, wie sie vorallem Jugendliche heutzutage oft erleben. Oft wird dies verursacht durch eine ungefestigte Rolle in der Gesellschaft oder allgemein einem instabilen Umfeld. Meistens sieht man kein Licht am Ende des Tunnels.
Sei es Ausbildung, Studium oder Freunde, Angehörige die versterben usw. Manche erholen sich nach so einer Phase wieder oder versuchen gar nicht, sich umzubringen, manche versuchen es oft, ziehen es aber nie durch. Andere versuchen es und ziehen es dann auch durch.
Das ganze hast vielleicht auch du schon erlebt. Ein Freund oder ein Bekannter? Ein Angehöriger? Ich kann aus eigener Erfahrung sagen das da oft eine Welt zusammenbricht, eine geliebte Person ist weg. Nicht im Urlaub oder Geschäftreise. Weg, für immer. Manche flüchten sich in die Religion um sich abzulenken oder Hilfe zu finden. Manche nehmen Drogen zu sich. Wieder andere schieben sich selbst die Schuld zu. Andere versuchen mit der Situation klar zu kommen, zu lernen ohne die Person auszukommen. Doch eines erlebt jeder, eine Veränderung. Für die einen positiv für die anderen negativ. Es beeinflusst ein Leben nachhaltig, für immer. Man ist nie mehr der selbe.

Seitenwechsel: Das "Opfer"

Doch wechseln mir einmal die Perspektive von den Angehörigen und Freunden hin zum "Opfer". Die Gründe sind wie bereits erwähnt vielseitig und nicht immer klar offensichtlich. FÜr viele gibt es wirklich keinen anderen Ausweg. Keine Perspektiven für die Zukunft, eine Person ohne die man einfach nicht mehr kann. Es gibt viele Gründe. Doch ist es wert sich das Leben zu nehmen? - Der Betroffene hat sich offensichtlich für ein "Ja" entschieden. Das fällt nicht jedem leicht, viele Planen ihr Ableben weit im Vorhinein. Das Gängigste in diesem Zuge: Abschiedsbriefe.
Eine Art letzte Worte, um Menschen zu beleidigen, zu vertrösten oder um einfach nur sein Ableben zu erklären. Der Schock bei den Empfängern ist meistens groß. Manche reagieren mit Wut, andere mit Trauer, manche scheinen Unbetroffen.
Geht es den Verfassern um Hass wenn sie einen persönlich erwähnen? Wollen Sie noch mal "eins reinwürgen", nachdem sie sterben? - Man kann es oft nur ahnen, jedoch sollte man stets daran denken, die Person ist bereits tot. Soll ich mich an scheinbar Schuldigen rächen? Die Antwort auf diese Frage sollte stets nein sein.
Alleine schon die diversen Gesetze sollten ein Argument sein. Doch was bringt einem der Tod oder ein zerstörtes Leben eines anderen Menschen? - Genuguung? - In manchen Fällen vielleicht. Aber man selbst ist dadurch kein Stück besser als die Person die angegriffen wird.

Selbst betroffen?

Gibt es also für jeden keine Option mehr, außer sich selbst das Leben zu nehmen? - Für jeden der dies in irgendeiner Form überlegt, dem kann ich ein paar wertvolle Tipps geben:
Versetze dich in die Lage der Personen die deiner Meinung nach Schuld sind oder die Gründe wieso du keinen Sinn mehr siehst, versuche die ernsthaft vorzustellen wie die Welt ohne dich wäre. Auch an Kleinigkeiten. Was würden deine Freunde ohne dich tun? Deine Eltern? Die nette alte Dame von nebenan, der du jeden morgen ein Lächeln ins Gesicht zauberst. Was würden Sie ohne dich tun? Was passiert mit dir nach dem Tod? Ist die Vorstellung deiner Religion eine Wiedergeburt? Eine nie endende Qual? Oder glaubst du an ein Ende, ein nichts, du bist tot, Endstation.
War das die Reise wert? Alles was du durch gemacht hast? Alles was du getan und unterlassen hast? - Wenn du nach diesen Katalog von Fragen immer noch dieses pure Verlangen hast dich umzubringen, rede mit einer Person darüber die du vertraust oder nutze eine Seelsorgehotline (0800 111 0 111, telefonseelsorge.de). Sollte dir das auch nicht weiterhelfen, hast du immer noch die Möglichkeit, es zu beenden.
Wie du dies tun kannst, hängt von deiner Person ab. Es gibt viele Arten, manche mehr und manche weniger grausam, schmerzhaft oder anderweitig extrem.

Was tun, wenn er/sie es getan hat?

Es ist trotz allem nie leicht. Für keinen Beteiligten, ob Ärzte, Einsatzkräfte, das Opfer selbst oder wie bereits erwähnt das Umfeld. Es ist nie einfach, doch ist es wichtig zu reden. Natürlich macht es nicht alles wieder wett. Aber das Teilen eines Leidens und seiner Gedanken wirkt wahre Wunder. Am wichtigsten sind rund um eine solche Situation Personen, die da sind, die einem einfach zuhören und denen man sein Vertrauen schenkt. Das müssen nicht immer die Freunde sein. Manchmal sind es auch Kollegen oder Klassenkameraden.
Daher der Appell an dich, ja dich. Solltest du etwas derartiges Feststellen von Betroffenen oder Hinterbliebenen oder dem "Opfer" selbst. Sieh nicht weg. Sieh bewusst hin und rede mit den Personen im Vertrauen. Es gibt nichts schlimmeres als eine solche Lage runterzuspielen oder zu überdecken. Sei da für deine Mitmenschen.

Vorwürfe?!

Vergiss aber bitte nie das man nicht immer einfach so erkennen kann, welche Absichten ein Mensch in sich trägt. Auch wenn es für eine Person die sich selbs umgebracht hat logisch war, du hättest ihr helfen können. Sie ist bereits tot. Verschwende deine Zeit nicht mit "wenn, dann" oder "hätte", "könnte" usw. Versuch damit klar zu kommen und sei da für andere Betroffene. Wenn sich jemand von ganzen Herzen dazu entschliesst sein Leben zu beenden, kann ihn niemand aufhalten. Das musste ich leider auch schon selbst in vielen Fällen feststellen und musste zusehen.

Aus eigener Erfahrung

Ich war ,wie bereits zu Beginn erwähnt, schon in beiden Situationen. Mein Leben verdanke ich einigen guten Freunden, manche davon haben sich selbst schon das Leben genommen. Die Fragen, die man sich stellen sollte haben nach meiner Erfahrung vielen Menschen aber doch schon geholfen ihre Entscheidung zu überdenken. Eingeschlossen mir selbst. Einige sind jedoch nicht aufzuhalten. Es ist hart das zu zulassen. Sein Leben aus einer Phase heraus aufzugeben ist nichtig, das durfte ich zum Glück feststellen und erleben. Sonst würde dieser Post hier nicht existieren. Bei mir persönlich hat eine Neuorientierung meines Umfelds auch eine massive Besserung erzielt.

Summary & Final Thoughts

Ich selbst war schon mehrmals in beiden Situationen und wollte hierdurch mein Wissen teilen. Wenn du in irgendeiner Hinsicht Fragen zu dem Thema hast kannst du mir jederzeit diskret eine Mail schicken oder mich auf Discord anschreiben. Ich hoffe dein Leben mit diesem Post bereichert zu haben oder dir etwas Klarheit gegeben. Natürlich bin ich auch gerne bereit bestimmte Aspekte zu ergänzen oder persönlich zu besprechen. Hierzu auch gerne die üblichen Kommunikationskanäle oder die Kommentarfunktion nutzen.

Solltest du selbst gefährdet sein, hier noch eine wichtige Sache an dich:
Für jeden sollte jedoch aufgeben keine Option sein. Kämpft um euer Leben. Ihr habt nur eins.