Machen wir uns von unseren Werkzeugen abhängig?

Veröffentlicht am

Beweggründe für diesen Post

Anstoß für diesen Post ist ein Beitrag von heise.de: colspan=6: Über den Nachteil der Entwicklerwerkzeuge.

Nach dem Lesen der Überschrift zweifelte ich doch sehr an der Sinnhaftigkeit dieses Beitrags. Doch nach lesen des Artikels wurde mir bewusst, dass noch sehr viel Wahrheit hinter dem ganzen steckt. Es ist fast selbstverständlich geworden alles so weit es geht zu automatisieren oder mit Tools zu vereinfachen. Ich selbst bin von allemdem ein sehr großer Fan.

Automation and Tools everywhere

Automatisierung ist gerade heute ein großes Thema, am besten den Vorgang einmal modelliert für immer autarg im Einsatz. Das ganze trifft natürlich nicht nur auf die IT-Branche zu. An dieser Stelle ist nur Industrie 4.0 zu sehen, doch auch im Kleinen, in Handwerksbetrieben. Die Maschinen übernehmen immer mehr arbeiten und manuelle Vorgänge. Damit ergeben sich natürlich enorme Zeiteinsparungen und eine höhere Effizienz unserer Arbeit. Man kann sich um die eigentliche Aufgabe kümmern statt um stupide Teilschritte.

Doch für welchen Preis das alles? Machen wir uns abhängig von den Tools und dem Automatisierungswahn?

Ich ertappe mich doch recht oft dabei, manche Fehler sehr oft zu wiederholen und diese anschliessend durch die IDE korrigieren zu lassen. Oft ist es einfacher und schneller für das Erreichen des Endergebnis. Oder die Formatierung die ich vollständig der IDE überlasse. Nur bei kleinen Besonderheiten muss händisch eingegriffen werden. Im normalen Editor oder auf der CLI arbeite ich auch hin un wieder und merke so doch recht oft das es schon ein enormer Luxus ist den einen die Entwicklungsumgebung bietet. Plötzlich ist man selbst wieder gefordert manuell einzugreifen, man hat im Besten Falle Syntax-Highlighting aber keine "intelligenten" Hilfsmittel, die Codeanalysen durchführen. Es ist ein forderndes Gefühl, ungewohnt aber dennoch mal was anderes. Doch für die meisten komplexen Änderungen oder neue Features greife ich doch lieber auf eine vollausgestattete IDE zurück.

Man hat das Gefühl man verlernt ohne Hilfsmittel eine Lösung auf ein Problem zu finden. Ab und zu fühlt es sich einfach gut an, mal wieder manuell einzugreifen. Eine ähnliche Antwort erhielt ich neulich bei einer Unterhaltung zu einem ähnlichen Thema mit einem Freund, nun seit ein paar Jahren Schreiner. Natürlich arbeitet er nicht mit einer Entwicklungsumgebung oder der Kommandozeile. Hier reden wir von manuellem Schleifen oder Sägen, was im Normalfall oft schon automatisiert mit einer Maschine geschieht. Die Verbundenheit zum Produkt ist doch besser wenn die nötigen Aufgaben händisch erledigt werden. Man ist in gewisserweise davon abhängig zu wissen, was man getan hat und wie man es getan hat. Aber natürlich erfordert es mehr Kenntnisse zu den einzelnen Arbeitsschritten. Das Arbeitsergebnis ist meistens dasselbe. Doch die Arbeit bis zu dem Endprodukt war doch eine andere. Es sind vielleicht dieselben Arbeitsschritte die erledigt werden müssen. Doch der Vorgang ist doch in sich der gleiche.

Distanzieren wir uns also von unserer eigentlichen Arbeit?

Im großen und ganzen spricht ja nichts gegen den Einsatz dieser ganzen Tools und Helferlein rund um die Vorgänge. Man sollte sich doch auch immer vor Augen führen, was getan werden muss um das zu erzielende Ergebnis zu erreichen. Natürlich ist es gerade in der heutigen, schnellebigen Zeit nicht immer leicht auf dem Laufenden zu bleiben. Logischerweise ist es auch nicht mehr möglich die heutigen Erwartungen ohne Tools in der vorgegebenen Zeit zu erreichen. Eine komplette Abhängigkeit zu den Tools zu schaffen wäre allerdings in jeder Hinsicht falsch und höchstwahrscheinlich ohne gutes Ende. Bewusst eingesetzt verhelfen sie aber doch zu einem besseren Ergebnis bei weniger manueller Arbeit. Es spricht aber natürlich nichts dagegen ab und zu mal wieder zu seinen Wurzeln zurück zu finden und Dinge händisch zu erledigen.

Schöne neue Welt

Es ist toll was in der heutigen Zeit möglich ist und wie wir uns das Leben vereinfachen können. Es ist trotz alledem doch der Mensch, der die Tools schreibt. Wir sind die treibende Kraft, das wird leider oft übersehen. Das bringt auch mit sich, dass wir trotzdem wissen sollten, aber auch müssen was die Werkzeuge eigentlich genau tun.
Man sollte auch ohne Tools zum Ziel kommen, natürlich nicht in der selben Zeit aber dennoch zum Ziel ;)

Abschliessende Worte

Was sind deine Gedanken zu dem Thema? Findest du wir machen uns zu abhängig? Genehmigst du dir auch die Zeit Dinge wieder manuell zu erledigen?

Antworten zu diesen Fragen gerne in den Kommentaren, per Mail oder über soziale Netzwerke. Ich freue mich über jede Antwort, Kommentar oder Mail.
In dem Sinne frohes Schaffen. Lasst uns alle die Welt zu einem besseren Ort machen.